Zer­störer Rommel

Ein Jahr als Mannschaftsdienst

1. Quartal 1989 - TBC

Dieses Quartal war von einer vermeintlich schweren Erkrankung überschattet. Ich meldete mich bei unserem Schiffarzt im Sanbereich, weil ich meinte, eine Erkältung zu haben. Der Schiffsarzt stellte dann fest, dass unter anderem meine Lymphknoten angeschwollen seien und kam zu einer Diagnose, die er durch das Krankenaus bestätigt haben wollte. Ich wurde also ins BW-Krankenhaus Kronshagen gefahren, wo TBC diagnostiziert wurde. Sofort kam ich auf Station isoliert in ein Einzelzimmer. Ein paar Tage später wurde ich dann wegen Zimmermangels zu einem anderen Soldaten aufs Zimmer verlegt, welcher den gleichen Befund hatte. Nachdem es mir nach etwas mehr als einer Woche erheblich besser ging, wurde ich an einem Freitag nach Großhansdorf bei Hamburg in eine Spezialklinik gefahren. Dort wurde ich geröntgt und TBC ausgeschlossen. Die Diagnose lautete jetzt Erkältung. Wer allerdings glaubt, dass mich das BW-Krankenhaus in Kiel jetzt entlassen hätte, irrt. Ich durfte das ganze Wochenende noch dort verbringen, schließlich hatte ich, wie jeder Soldat, freie Heilführsorge, und auch ein BW-Krankenhaus muss am Wochenende die Betten belegt haben.
Leider nur war an diesem Wochenende meine "Rommel" zu einem kleinen Trip auf der Ostsee ausgelaufen. Und was durfte ich nun machen, nein ich wurde leider nicht per Helikopter eingeflogen. Ich durfte im Stab für den Geschwader E-Meister Kaffee kochen und sonstige Handlangertätigkeiten verrichten. Auch wurde ich von diesem natürlich sehr skeptisch betrachtet, was sollte ich schließlich schon groß können, wo ich in der Grundausbildung schon keine ATN bekommen hatte. War ich froh, als meine "Rommel" wieder einlief und ich wieder an Bord gehen konnte.

Irgendwann sind wir dann noch einmal kurz für einen Nachmittag zu einer Seebestattung ausgelaufen. Wer gestorben war, und was dieser mit der Marine zu tun gehabt hatte, blieb uns verborgen. Wir waren jedenfalls auserkoren, die Urne der See zu übergeben. Für den Großteil der Besatzung war jedoch das Oberdeck gesperrt, so dass wir nichts von der Seebestattung mitbekommen haben.

Kurze Werftliegezeit

Bild 4 von 4Für die uns bevorstehende große Reise musste die "Rommel" vorher noch einmal in die Werft zur Überholung. In der zum Glück nur kurzen Werftliegezeit bekam unser Schiff unter anderem zwei neue Schiffsschrauben. Es war schon beeindruckend, wie klein ein Mensch gegenüber so einer Schraube ist.
Während dieser Zeit, wo unser Schiff in Kiel bei HDW in der Werft lag, wurden wir morgens per Busshuttle vom Steinschiff zu unserer "Rommel" und abends wieder zurückgefahren. Die einzelnen Abschnitte haben ihre Bereiche auf Vordermann gebracht, so dass diese Zeit eigentlich schnell verging.
Ich war jedoch froh, als wir wieder Wasser unterm Kiel der "Rommel" hatten und an unserem Stammliegeplatz im Tirpitzhafen lagen. Für mich stand fest, dass ich lieber zur See fahren möchte, als in der Werft zu liegen. Es gab jedoch auch Marinesoldaten, die sich extra auf Werftlieger versetzen lassen haben, um nur nicht auf See sein zu müssen und damit weg von der Heimat zu sein.

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